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Rezeptortheorie und Arzneistoff-Zielstrukturen

Einteilung pharmakodynamischer Zielstrukturen

Die Pharmakodynamik untersucht, wie Arzneistoffe ihre Wirkungen im Körper entfalten und durch welche molekularen oder physikochemischen Mechanismen sie dessen Funktionen verändern.

Arzneistoffe wirken meist an Proteinen. Aber auch Nukleinsäuren, Bestandteile von Krankheitserregern sowie unspezifische chemische oder physikalische Wechselwirkungen können zur Wirkung beitragen.

Wichtig: Die folgenden Beispiele dienen der Einordnung der Zielstrukturen. Ein Arzneistoff kann mehrere Zielstrukturen und unterschiedliche Wirkmechanismen haben.
Hauptkategorie Zielstrukturgruppe Zielstrukturtyp Konkrete Zielstruktur oder Mechanismus Beispielwirkstoff
Proteine Ionenkanal Spannungsabhängiger Ionenkanal Spannungsabhängiger Na⁺-Kanal Lidocain
L-Typ-Ca²⁺-Kanal Amlodipin
Enzym Katalytisches Protein Angiotensin-konvertierendes Enzym (ACE) Ramipril
Cyclooxygenasen (COX) Ibuprofen
Monoaminoxidase B (MAO-B) Selegilin
Neprilysin Sacubitril
Transportprotein und Pumpe Membrantransporter Serotonintransporter (SERT) Fluoxetin
Natrium-Glukose-Kotransporter 2 (SGLT2) Remogliflozin
Ionenpumpe H⁺/K⁺-ATPase-Protonenpumpe des Magens Pantoprazol
Na⁺/K⁺-ATPase Digitoxin
Rezeptor Ionenkanalrezeptor GABAA-Rezeptor, ligandengesteuerter Cl⁻-Kanal Diazepam
NMDA-Rezeptor, ligandengesteuerter Kationenkanal Memantin
Intrazellulärer Ryanodinrezeptor, ein Ca²⁺-Freisetzungskanal des endoplasmatischen Retikulums Dantrolen
Enzymgekoppelter Rezeptor Rezeptortyrosinkinase: Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) Erlotinib
Rezeptortyrosinkinase: anaplastische Lymphomkinase (ALK) Crizotinib
Rezeptorserin/threoninkinase: TGF-β-Rezeptor Typ I (TGFBR1/ALK5) Galunisertib*
Rezeptorassoziierte zytoplasmatische Tyrosinkinase: Zytokinrezeptor–JAK1/JAK2-Signalübertragung Ruxolitinib
Membrangebundene Rezeptor-Guanylatcyclase: natriuretischer Peptidrezeptor A (NPR-A) Nesiritid
Rezeptortyrosinkinase: Insulinrezeptor Insulin
G-Protein-gekoppelter Rezeptor Gs-gekoppelter β2-Adrenozeptor Salbutamol
Gq-gekoppelter M3 Muskarinrezeptor Oxybutynin
Gi-gekoppelter α2-Adrenozeptor Clonidin
Nukleärer Rezeptor Östrogenrezeptor Tamoxifen
Vitamin-D-Rezeptor (VDR) Calcitriol
Retinsäurerezeptor (RAR) Retinsäure
Schilddrüsenhormonrezeptor (TR) Thyroxin (T4; vorwiegend nach Umwandlung in T3)
Strukturprotein Bestandteil des Zytoskeletts Tubulin als Baustein der Mikrotubuli Vincristin
Anderes Makromolekül Nukleinsäure DNA Bildung von DNA-Quervernetzungen Cisplatin
Bildung von DNA-Strangbrüchen Bleomycin
Physikochemische und unspezifische Wirkung Säure-Base-Reaktion Antazidum Chemische Neutralisierung der Magensäure Magnesiumhydroxid
Bindung im Darm Gallensäurebindendes Harz Bindung von Gallensäuren im Darm Colestyramin
Biologische Neutralisierung Antitoxin Neutralisierung eines bakteriellen Toxins Tetanus-Antitoxin
Komplexbildung Chelatbildner Bindung von Schwermetallionen Dimercaprol
Physikalischer Kontrasteffekt Diagnostisches Kontrastmittel Absorption von Röntgenstrahlung Bariumsulfat
Zielstrukturen von Krankheitserregern Bakterium Enzym DNA-Gyrase und Topoisomerase IV Ciprofloxacin
Virus Enzym HIV-Reverse-Transkriptase Efavirenz
Pilz Biosynthetisches Enzymsystem Ergosterolbiosynthese (Lanosterol-14α-Demethylase, CYP51) Fluconazol
Protozoon Enzym Plasmodium falciparum Dihydrofolatreduktase Pyrimethamin
Wurm Ionenkanal Glutamatgesteuerter Cl⁻-Kanal Ivermectin

* Galunisertib ist eine Prüfsubstanz; es ist in der Tabelle als Beispiel für die pharmakologische Beeinflussung einer Rezeptorserin/threoninkinase aufgeführt.

Sacubitril wirkt nicht direkt an einer Rezeptor-Guanylatcyclase. Durch die Hemmung von Neprilysin erhöht es unter anderem die Konzentration natriuretischer Peptide, die anschließend die entsprechenden Rezeptor-Guanylatcyclasen aktivieren können.

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